Eine Wand in Lehmbauweise, ein Fensterloch und ein Drehkreuz als Halterung für den Fensterladen - Zumacher eben

Zumacher

Alltagsträumereien, Einsen und Nullen, Produktive Highlights

Diesen Zumacher habe ich in einem echt nach gebauten Wikingerdorf entdeckt. Ist schon ein cooles Teil das. Ich, der ich mit plattdeutsch hörender Mutter- und Vatersprache aufgewachsen bin, muss dieses Ding allerdings Tomoker benennen. Passt auch viel besser. Ein Moker ist nämlich ein Gerät mit dem man wirklich etwas macht und bewegt. Ein großer schwerer Hammer mit langem Stiel zum ordentlich ausholen wird so bezeichnet. Ein Macher eben. Nicht gerade zimperlich. Noch weniger sensibel. Lediglich schlagkräftig.

Doch vorerst zurück zum platt. Mit allen haben meine Eltern platt gesprochen, dieser wundersamen norddeutschen Sprache mit ihren eher direkt assoziierenden Spezialbezeichnungen. Nur mit mir als Kind wurde ausschließlich hochdeutsch gesprochen. Was zur Folge hatte, dass ich zwar, zwangsläufig, weil überlebensnotwendig, alles verstand, aber nicht wirklich akzentfrei fließend platt sprechen konnte. Diese Tatsache führte oft genug zu Merkwürdig- und Peinlichkeiten. Hat sich inzwischen etwas gebessert. Holpert aber, mangels aktiver Übung, immer noch beträchtlich, mein Platt. Man spricht hier, wo ich jetzt wohne eher „ostfälisch“. Und wenn man abends um zehn irgendwo rein kommt, sagt man „Gute Nacht“ und nicht „Moin“. Aber gerade deshalb fällt mein fehlerhaftes Platt kaum ins Gewicht. Im Gegenteil. Meine küstennahe Herkunft lässt sich auf Grund meines Dialektes auch im Hochdeutschen kaum verschleiern.

Worum ging es? Genau, der Tomoker. Vermutlich wurde damit ein Fensterladen vor dem Licht- und Luftloch während langer, kalter Winternächte und -tage befestigt. Wirklich einbruchsicher nur durch den bis an die Zähne bewaffneten Hausmann, oder die bis an die Zähne bewaffnete Hausfrau, hinter eben diesem Laden. Keine WLAN-Kamera, keine Bewegungsmelder, keine noch so kleine Alarmanlage in Reichweite. Alles noch schön analog. Das Tolle an dieser Drehmechanik, die in Verbindung mit dem hölzernen Laden eigentlich eine Dreh-Schiebemechanik ist, das selbst moderne Laptops mit austauschbarem Akku noch über eine ähnliche Befestigung verfügen. Mac-Usern wird das noch nicht aufgefallen sein und selbst diese neumodische Klapp-mich-einmal-um-mich-selbst-herum yogahafte Hardware besitzt diesen feinen Mechanismus nicht mehr. Aber vielleicht steht bei Dir im Keller ja noch so ein ausrangiertes Normalo-Laptop herum. Dann schau mal genau hin! Aus dem Teil bekäme man mit etwas technischer Sensibilität noch zumindest ein brauchbares Schreibgerät gebastelt.

Solltest Du jedoch zu den LeserInnen gehören für die es immer etwas zu machen (platt: moken, doen) gibt, merke dir unbedingt das Wochenende 27. bis 29. Mai vor. Dick und rot im Kalender anstreichen und rechtzeitig zur Makerfaire Hannover radeln. Wahlweise darfst du auch einen Öffi benutzen. Da ist es wieder soweit. MacherInnen stellen ihre neuesten Werke aus der Welt der Rechner, Hacker, des Codes und verschiedenster anderer ernst gemeinten und witzigen Basteleien und anderen Disziplinen vor. Link zur Makerfaire Hannover

Wirklich bemerkenswert an der auf dem Foto abgebildeten Mechanik finde ich besonders, das es bei diesem Gerät nur zwei tragende Zustände gibt: Auf oder Zu. I und O eben, wie im richtigen, wenn auch digitalem Leben. Ein sehr früher Computer vielleicht. Ob nun die Wikinger unterschätzt oder unser neues buntes digitales Dasein überschätzt werden, überlasse ich der freien Entscheidung meiner lieben LeserIn.