Männer mauern Männermauern

Alltagsträumereien

Erich Honecker, er ruhe in Frieden, wäre begeistert gewesen. Zumindest so begeistert, wie sein rational agierendes, kommunistisch instrumentalisiertes Dasein es hätte zulassen können. Eine Mauer bauen, größer (und tiefer) als alle zuvor dagewesene Zutritts- (oder eben) Flucht-Architektur: Eine Mauer gegen die Zuwanderung aus Mexiko. Sicher uns Honey hätte andere Beweggründe gehabt. Vielleicht hätte die eine Mauer zu Ungarn noch den Fall der anderen verhindern können – die erste Ausreisewelle aus der „DDR“, Sie erinnern sich? Trump, im Folgenden nur D.T. genannt, ist neuer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ( und jetzt seit mehr als Hundert Tagen im Amt) und hat mit nicht nur dieser Mauer, laut-malerisch bestimmten Menschen „aus der Seele gesprochen“, oder aus dem Herzen? Nur leider nicht aus dem Hirn. Bestimmten Menschen.

Wer diese denn, unter anderem, seien erklärt Thomas Gesterkamp in seinem Artikel „Zornige weiße Männer“ – Download auf männerwege.de (Gesterkamp, Thomas (2017): Zornige weiße Männer. www.maennerwege.de).
Die, die sich „abgehängt“ fühlen. Die, die für sich keine Perspektive sähen, sowohl gesellschaftlich, als auch beruflich, weil der Wandel der Berufswelt das mit sich bringt. Die Deindustrialisierung, und Gesterkamp zitiert hier den Genderforscher Michael Kimmel, seien „ausgetoßen aus ihrer Welt“. Die Schuldigen sind von den Betroffenen, die einfache Antworten wollen, schnell gefunden: FeministInnen, Homosexuelle, Politiker, Menschen mit dunkler Hautfarbe und Richter. Kein Hochofen, keine Schwerindustrie, keine Kohleförderung gleich „ausgestoßen“ sein aus dem, was man kennt. Mangels Bildung?, Kreativität?, Möglichkeiten? Keine Chance selbst etwas an der eigenen Situation zu ändern? Bei so vielen Fragezeichen dreht sich auch mir der Kopf und mir wird schwindelig. Also schnell weiter.

Bettina Gaus, ihres Zeichen politische Korrespondentin der TAZ, hat schon am 12.11.2016, also schon kurz nach der Wahl D.T.s, arge Bedenken selbst am Gedankengut ihrer Zeitungskollegen und Leserinnen. Vielleicht sei der Sieg von Trump ein „Aufbruch zu was Neuem, eine letzte Warnung? Wäre ja mal eine Chance, alle Karten neu zu mischen.“, schreibt ihr da jemand. Und ein Kollege postuliert „Aber jetzt kann ich dem insofern etwas Positives abgewinnen, als dass ich glaube, dass es schmerzhaft allen Politikern, Parteien etc. vor Augen führt, dass es so nicht weitergehen kann.“ Nachzulesen unter „Das Volk hat keine Sorgen“.
Was, möchte ich mit Frau Gaus rufen, ja schreien, was geht in Euch vor? Nein, ich kann dem nichts Gutes abgewinnen. Nicht der antidemokratischen Haltung, nicht der antifeministischen und auch nicht den rassistischen und homophoben Äußerungen dieser sogenannten Populisten, mögen sie Gauland, Le Pen oder Trump oder Müller oder anders heißen.

Die amtierenden Politiker aller Couleur haben inzwischen, mit Ausnahme von Bundeskanzlerin, die sich nichts anmerken zu lassen scheint, ihre Dialektik dahin gehend geändert, dass sie versuchen mit mehr oder minder drastischen Zugeständnissen Gehör zu finden bei der entsprechenden Wählerschaft. Schnellere Abschiebungen, bessere Überwachung und sorgfältigere Grenzkontrollen sollen das „Heil“ bringen (Uups, das ist mir jetzt nur so raus gerutscht). Aber diese Zugeständnisse sind eben das, was die Meinungen (die Ängste?) der „Abgehängten“ in die breite Mitte der Bevölkerung tragen. Muss also doch etwas dran sein? An der Gefahr? An der von Rechts so genannten „Islamisierung des Abendlandes“?

Laut der Aktion „Durchgezählt“ (Durchgezählt!) kamen zur letzten Pegida-Veranstaltung, oder wie nenne ich jetzt mal so eine Versammlung (Demo?), viel weniger als 2000 Menschen. Das sind auf 8o Millionen in Deutschland lebende Menschen ein Anteil von nur maximal, ähh, genau: Weniger als 0,0025%. In den anderen Ecken dieses Landes gibt es natürlich auch ähnliche Anteile dieser Andersdenkenden, sagen wir also insgesamt vielleicht kommen wir auf 1% Pegidisten in der Bunten Republik Deutschland. Diese füllen immerhin Kolumnen, Nachrichten und den Bundestag mit ihren Themen. Wenn das keine Demokratie ist, weiß ich nicht mehr. Glückwunsch.

Abschluß, denn die 3211 Zeichen sind längst voll. Mein Aufruf: Entspannt Euch!!! N’Stück Musik vielleicht: Katermukke holt euch runter auf den Boden der Liebe und Gelassenheit. Das Beste, was Füße tun können. Schönen Tanz in den Mai 2017.