eine Mofa im Ausschnitt

Fast And Furious

Alltagsträumereien

Es soll Menschen geben, die glauben die Straße sei für die Autos da. Und Glaube versetzt ja bekanntlich Berge. Manche von diesen Menschen verhalten sich hin und wieder recht merkwürdig. Nur zum Beispiel: Wenn zwei oder mehrere Radfahrer auf einer schmalen Baum gesäumten Landstraße unterwegs sind und vielleicht nicht ständig korrekt hintereinander fahren, dann hupen diese Menschen. Statt vom Gas zu gehen. Auch einzelne Radfahrer werden beizeiten mit recht geringem Seitenabstand und gefährlich hoher Geschwindigkeit überholt. Das führt bisweilen, dazu dass diese Radfahrer sich erschrecken, gar von der Fahrbahn abkommen. Manchmal gibt es zum Glück einen schmalen Randstreifen oder einen trockenen Graben mit ganz weichem Gras zum Abmildern des Sturzes. Außerdem sind diese Radfahrer ja selber Schuld. Denken diese Autofahrer. Die Straße ist schließlich für die Autos da. So denken diese Menschen.

Der Autofahrer liebt es Gas zu geben. Weil das eben geht im Auto. Und ihn gar nicht anstrengt. Er hat es nicht gern, wenn jemand anderes vor ihm fährt. Langsamer als er. Zu langsam wie er meint. Gut, dass es die Lichthupe gibt. Darf er aber nicht benutzen. Der Autofahrer. Weiß er. Macht es trotzdem. Blöd, denkt der vor ihm Fahrende. 120 muss reichen zum Überholen, denkt der. Sollte es wohl. Reicht aber vielen nicht auf der Autobahn. Genauso wenig reicht der durch Streifen begrenzte Parkplatz aus. Für den SUV. Steht über das Ding. Auf beiden Seiten. Besetzt fast drei Parkplätze die Kiste. Cool. Dick. Und ärgerlich. Für alle, die auf der Suche sind. Nach einem Parkplatz. Stört den SUV-Fahrer gar nicht. War schließlich teuer das Teil. Aber die Rente gibt es eben her. Und jetzt ist er eben mal dran. So. Fertig aus. Eben nicht. Denn mir scheint, es werden immer mehr, immer dickere Wagen. Inzwischen für verschieden dicke Portemonnaies verfügbar. Hauptsache Protz. Hauptsache ich. Hauptsache Gas geben.

Ich bin viel mit dem Rad unterwegs. Manchmal mit dem Auto. Und sehr oft zu Fuß. Als Teilnehmer des öffentlichen Nahverkehrs, Spaziergänger und Läufer. Aber immer denke ich: Was für einen Wahnsinn treibt all diese Leute in ihren blechernen Hightech-Monstern an? Was treibt sie zu dieser Eile? Was zu diesen ständigen Bewegungen von A nach B? Haben die kein Zuhause? Vielleicht ist es da nicht so schön. Oder vielleicht fehlt ihnen da die Aufmerksamkeit. Jetzt sind sie jedenfalls alle unterwegs. Und morgen wieder. Und übermorgen. Da wird die Luft langsam auch dicker. Die Software zur Abgasregulierung funktioniert leider nur auf dem Messstand. Und mir scheint, es werden insgesamt immer mehr? Kurz mal nachgeschaut auf der Seite des Kraftfahrtbundesamtes. Ah ja. 45,1 Millionen Personenkraftwagen waren zum 1. Januar 2016 in Deutschland angemeldet. Waren das nicht vor kurzem noch nur 40? Nun, „Freiheit“ hat halt ihren Preis. Und nicht nur Papa will frei sein. Nein, auch Mama und Opa und Jungerwachsener und seine Freundin fährt im eigenen Pkw hinterher. Will ja nach dem Date noch zum Sport. Überhaupt mal kurz angemerkt: Würden nur wenige dieser vielen Autokilometer mit den Füßen oder dem Fahrrad zurückgelegt, wären sämtliche Fitnesszentren im deutschen Raum bald pleite. Kardiologen hätten auch weniger zu tun. Und mehr Lungenflügel würden nicht entfernt werden müssen. Aber die vielen Arbeitsplätze? Und wegen der paar Radfahrer? Nee, echt jetzt.