Frontansicht auf ein Hifigerät

Das Dittschophon©

Alltagsträumereien, Einsen und Nullen, Lesen-Sehen-Hören, Produktive Highlights

Die Blüten der smarten Elektronikwelt schweifen ja beizeiten ins Bodenlose aus. Sprechende Kühlschränke, twitternde Bügeleisen und Föne mit Webcams wurden schon gesichtet. Wirklich praktische, lebensbejahende Produkte machen sich jedoch rar auf dem Markt der Möglichkeiten der Einsen und Nullen. Digital Life ist bestenfalls zur Gewinnoptimierung eingesetzt. Auch für Datensammler bietet es genug Werkzeuge. Und immer wieder neue und „bessere“. Was aber, wenn alte, verbrauchte Geräteteile bestenfalls im Keller, statt im Wertstoffhof, ihr Dasein fristen und nach Anwendung und Funktion dürsten? SUUS zeichnet die schönste Alternative zum Schrottplatz auf: Das Dittschophon©.

Base dieser Konstruktion ist ein Motherboard, welches viele Jahre als Mail- und Office-Plattform seine Dienste geleistet hat. Jetzt mit einem weiteren Arbeitsspeicher aus dem Second Hand und einer kleinen Grafikkarte aus dem Gebrauchtwarenhandel aufgeforstet, dient es als Grundlage für die Rechnerstruktur. Eine 500GB-Festplatte war noch vorrätig, ein kompatibles 500Watt-Netzteil ebenfalls. Ein Frontpaneel mit Klinkenbuchsen für das Audio und einer USB-Schnittstelle musste etwas zugefeilt werden. Echtes Re- und Upcycling also.

Etwas kniffelig wurde das Gehäuse. Schließlich sollte der Rechner horizontal positioniert werden, um auf dem Verstärker-Rack zum Liegen kommen zu können. Diverse Versuche führten in die Irre. Entweder war das Mainboard im Weg oder das Netzteil bekam keine Luft zum Atmen. Nach einigem Experimentieren klappte es und diverse Aluminiumprofile mit Blindniete zusammen gepresst ergaben einen stabilen Rahmen. Alles verkabelt und verstöpselt – erster Probelauf.

Als Betriebssystem wurde Debian auserkoren. Das einzige Betriebssystem, das diesen Namen auch verdient, meiner Meinung nach zumindest. Zum Zeitpunkt der Installation Debian 8, Jessie, inzwischen auf Debian 9, Stretch, upgedatet, was erstaunlich gut funzte. Bedient wird das ganze mit einer Funkmaus und der Bildschirmtastatur. HDMI liefert beste Bildqualitäten an den Beamer und den Sound (Plopp! Bidde!) an die Hifi-Kiste. Alles Bestens also sollte man denken. Einziger Haken: Dittsche lieferte bereits im Juni die letzte Folge für dieses Jahr ab. Weiter geht’s im Januar. Na denn, mach mal ’n Hobel klar!

Ich vergaß: Das ganze musste noch, wenn auch nicht Luft- so doch zumindest Stromdicht verpackt werden. Mit 3mm Sperrholz prima abgedichtet, werden Stromschläge durch unbeabsichtigtes „Eingreifen“ verhindert. Von diversen Elektronikforen befürchtete Störstrahlungen wurde bisher nichts bemerkt. Dem Spaß sind somit keine Grenzen mehr gesetzt. Außer dem Warten auf die nächste Staffel.

PS.: Die Dittsches zum Ausschneiden und Falten gibt es auf der WDR-Seite. Vielleicht mal selbst eine anständige Suchmaschine betätigen – Startpage, Duckduck Go, Metager oder Ecosia, was sonst?